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MARTIN BARESCH WIRD ZU SHERLOCK HOLMES VERHÖRT (Aktualisiert)   DF: Gestehen Sie, Mr. Baresch: Warum schreibt ein Deutscher Sherlock Holmes?   MB: Um möglichst viel Geld zu verdienen? Nein, ernsthaft: Mir persönlich gefielen die von Sir Arthur Conan Doyle geschriebenen Holmes-Abenteuer schon in jungen Jahren, im Lauf der Zeit habe ich sie immer wieder gelesen; auch parallel zu den Werken von Charles Dickens oder zu dem, was ich selbst viele Jahre lang geschrieben und veröffentlicht habe. Eines Tages hatte ich, während ich an einem völlig anderen Roman schrieb, die Geschichte um die "Mordakte Watson" im Kopf - mit einem Holmes, der nicht nur als Denkmaschine präsentiert im Zentrum der eigenen Ermittlung steht. Danach habe ich ziemlich lange recherchiert - Holmes` Macken, das viktorianische London, Arthur Conan Doyles - übrigens hochinteressantes - Leben, die Plots sämtlicher Holmes- Geschichten ... Dann habe ich angefangen, zu schreiben - und wurde aus allem böse rausgerissen: Diagnose einer ziemlich schweren Erkrankung. OP, Bestrahlungstherapie, Chemotherapie, unsägliche Rückschläge, aber die Geschichte blieb mir im Kopf. Nachdem klarer schien, dass ich das Ganze überleben würde, traute ich mir aber erstmal gar nicht mehr zu, überhaupt auch nur eine Zeile noch schreiben zu können (oder zu wollen - denn damals entdeckte ich auch eine ungeheure Lebens- und Reisegier in mir). Also hab ich alles noch einmal komplett neu recherchiert - und mich mitten in der Nacht an einen ersten Entwurf gesetzt, unter dem Motto: Mit Holmes zurück ins Leben. Das war vor mittlerweile rund zehn Jahren, und es hat funktioniert, was mich sehr dankbar macht. Und demütig. Es ist, zumindest für mich, also auch ein ziemlich persönliches Ding, weitere Holmes-Geschichten zu schreiben. DF: Wie passt Du Deine Geschichten in den Kanon der bereits existierenden Holmes-Werke ein? MB: Grundsätzlich gilt für mich: Sir Arthur Conan Doyles Holmes-Veröffentlichungen müssen die Basis sein, auch weil es mittlerweile einfach unmöglich ist, noch einen Überblick zu behalten über sämtliche in Buchform bereits veröffentlichten Sherlock Holmes-Fälle, leider. Das heißt, natürlich: Jede Menge Recherche. Trotzdem. Doyle ist das Maß aller Dinge. Zum Werk des großen Meisters beizutragen, die eigenen Ideen und Geschichten exakt einzupassen in den Kanon der "offiziellen" Erzählungen, oder diesen mit zusätzlichen Informationen noch zu ergänzen, stellt für mich auch einen weiterer Reiz dar, mich in den düsteren Gassen des viktorianischen Londons herumzutreiben und Holmes zu schreiben.  DF: Was meinst Du, wie erklärt sich das gespaltene Verhältnis Arthur Conan Doyles zu seiner berühmtesten Figur? Und kannst Du das nachempfinden? MB: Ich kann ihn verstehen. Wenn man als Autor nur noch im Schlagschatten eines seiner Protagonisten wahrgenommen wird, kann das schon unbefriedigend werden. Erst recht, wenn man, wie ACD, solch eine Menge an - auch politischen! - Interessen und Anliegen hat ... DF: Auf die Du in der "Mordakte Watson" zu sprechen kommst. MB: Du hast ein E-Book gekauft, das “damals” , also 2013, noch bei der "lieben Konkurrenz" im Programm war?  DF: In der Tat! (Hüstelt geziert) Aber da ich “damals” schon so ein Gefühl hatte, dass das nicht bis in alle Ewigkeit bei dieser lieben Konkurrenz verbleiben würde - - bitte, keine Ausflüchte, Sir: zurück zu meiner Frage! MB: Na ja, da hattest du dann ja eine prophetische Eingebung. Aber, wie gewünscht, hier die Antwort, in aller Härte, Sir: in der "Mordakte Watson" komme nicht ich auf ACDs Interessen und Anliegen zu sprechen, sondern gebe “lediglich” Arthur Conan Doyle im Originalton wieder. Der Gute ist ja tatsächlich mehrfach bei Parlamentswahlen knapp gescheitert, und schon 1882, ganz ohne Steilvorlage eines gewissen Limburger Bischofs, gab er die Erklärung ab, den Glauben an die katholische Kirche verloren zu haben; dazu gehörte damals schon einiger Mut. Dieser Mut, diese Zivilcourage, sich eine eigene Meinung zu leisten, zieht sich durch ACDs gesamtes Leben. 1901 veröffentlichte er seine Entgegnung auf die Vorwürfe der internationalen Presse um angebliche Kriegsverbrechen der Briten im Burenkrieg und verkaufte damit 300.000 Exemplare, allein in den ersten sechs Wochen nach Erscheinen. Doyle forderte keinen Cent für sich. Interessant auch, wie vehement er sich für die Reform der strengen Scheidungsgesetzgebung einsetzte. Oder für den Fall des unschuldig zu sieben Jahren Zuchthaushaft verurteilten George Edalji. Oder wie er in seinem Buch "The Crime of the Congo" die Grausamkeiten thematisiert, die von "Managern" der Handelsgesellschaften in Britisch-Kongo an den Ureinwohnern verübt wurden. Oder, dass er sich ab 1910 siebzehn Jahre lang (!) für den deutschen Juden Oscar Slater einsetzt, der in Schottland wegen Mordes verurteilt worden war - bis dieser 1927 tatsächlich freigesprochen wird. Und trotzdem nimmt alle Welt - bis heute - "nur" Sherlock Holmes wahr ... Ich denke, SO erklärt sich Arthur Conan Doyles Hassliebe zu seiner populärsten literarischen Schöpfung. DF: Das fällt übrigens sehr positiv auf: Wie exakt Du für die “Mordakte Watson” recherchiert hast. Da sind so viele Details und Anspielungen auf Original-Geschichten von Doyle zu finden, dass ... MB: Genau! Dass zumindest ein “Amazon Customer” ein klitzekleines bisschen überfordert war. DF: Gelinde ausgedrückt. Der hat sich in eine völlig unsinnige Kritik verstiegen. MB: Was man akzeptieren muss. DF: Auch wenn sie bei der Neuausgabe vom Januar 2016 bei TKM noch zu finden ist? MB: Ja. Wenn der bei seiner Meinung bleibt und sie gepostet lässt, obwohl die ihm von anderen Lesern sachlich widerlegt wurde, dann ist das halt so. Da kann man nur hoffen, dass andere Leser sich davon nicht abgeschrecken lassen, sondern sich eine eigene Meinung bilden. Und diese Leser gibt es ja, zum Glück. DF: Auch das Leser-Feedback, das uns hier im Verlag erreicht, ist ja nur supergut! MB: Schnurr! DF: So! Damit aber zurück in den Verhör-Modus: Deine Holmes-Lieblingsgeschichte? Dein Holmes-Lieblingsfilm? MB: Als Holmesianer mag ich alle Holmes-Erzählungen, auch nach oftmaligem Lesen noch. Die vor dem "Comeback aus dem Reichenbachfall" ein wenig lieber. Vermutlich hat das einiges mit jugendlicher Prägung zu tun, haha. Von den Filmen jüngeren Datums gefällt mir natürlich (!) die britische TV-Serie "Sherlock" wahnsinnig gut - vor allem, ich gesteh`s -, weil Cumberbatchs Interpretation von Holmes meiner eigenen Vorstellung so nahe kommt.- Auch "Kein Koks für Sherlock Holmes" finde ich gut, weil da einiges wiederum ganz prima mit meinem eigenen schrägen schwarzen Humor kompatibel ist. Von den alten Holmes-Sachen mag ich heute noch "Sherlock Holmes", das verfilmte Bühnenstück von 1916 mit William Gillette, oder "Sherlock Holmes and the Voice of Terror" von 1942, in dem es Holmes und Watson per Zeitsprung ziemlich aberwitzig in die Wirren des Zweiten Weltkriegs verschlägt. Wurde damals von Universal produziert. Insgesamt aber hat mich an sämtlichen Holmes-Verfilmungen immer gefrustet, dass Watson so grausam "verdämlicht" wurde.  DF: Und abschließend - natürlich - für uns und die baresch`schen Holmes-Fans da draußen: Die Frage aller Fragen: Wirst Du weitere Sherlock Holmes-Geschichten schreiben? MB: Jetzt, wo alle Sherlock Holmes-Geschichten schreiben und veröffentlichen? (Empört) Haha. Klar! Der Roman "Sherlock Holmes und der heimgesuchte Mr. Lovecraft" ist fertig. Momentan schreibe ich neben meinen hauptberuflichen Arbeiten an einem weiteren, und zusammen mit einem lieben Kollegen an einer ganz besonderen Holmes-Novelle.
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Autor: Martin Baresch